Brombeerfarbene Silhouette einer Giraffe

Die Doktor-Eisenbarth-Spiele in Viechtach

Von Walter Liebl


Der berühmte Wanderarzt Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727), der auf dem Höhepunkt seines Lebens mit einem Tross von 120 Personen (Musikern, Komödianten, Akrobaten, Gauklern, Tierbändigern, Reitern und Helfern) auf Kutschen und Wägen durch die deutschen Städte zog und dabei seine chirurgischen Künste und Arzneien anpries, ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nie in Viechtach gewesen. Diese Einschätzung war aber bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts eine ganz andere: Die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts war man nicht nur in Viechtach fest davon überzeugt, dass der vor allem durch das Studentenlied „Ich bin der Doktor Eisenbarth“ berühmte Mann ein Kind unserer Stadt sei, weil er selbst auf seinen Werbezetteln „Fichtach“ oder „Fichtag“ als seinen Geburtsort angegeben hatte.

1902 erhielt der damalige Marktrat in Viechtach davon Kenntnis und die Freude darüber setzte eine Entwicklung in Gang, die in ihrem Ausmaß nicht abzusehen war und bis heute anhält: Hauptimpulsgeber war Bürgermeister Karl Gareis (1906-1974). Er gründete 1935 einen Eisenbarthverein, schrieb und organisierte mit solchem Elan ein Festspiel, dass zu den fünf Aufführungen 1935 10.000 Zuschauer gekommen sein sollen! Auch 1936 und 1937 erlangte das Spiel nationale Bekanntheit. Aus ganz Deutschland wurden mit einem Sonderzug Zuschauer nach Viechtach transportiert. Die Werbewirkung für unseren Ort muss eine gewaltige gewesen sein!

Gut zwei Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs fand 1939 für lange Zeit die letzte Aufführung statt. Aber auch nach dem Krieg erlangte das Spiel in den Aufführungen von 1958 und 1959 noch einmal nationale Bekanntheit: Illustrierte schickten ihre Reporter und sogar die Wochenschau drehte einen Bericht.
Als sich aber aufgrund eines Attests der katholischen Kirche die Erkenntnis durchsetzte, dass die Titelfigur doch kein Kind der Stadt, sondern ein getaufter Oberviechtacher sein musste, stellte Viechtach seine Spiele ein.

– Aber auch wieder nur vorübergehend! Denn 2004 kam Bürgermeister Georg Bruckner den Wünschen zahlreicher (älterer) Mitbürger nach einer Wiederaufnahme der Festspiele entgegen. Schon damals wurde mit dem gebürtigen Kötztinger Thomas Stammberger erstmals ein professioneller Regisseur für Regie und Text gewonnen. Auch dieses neue Stück aus der Feder von Thomas Stammberger unter Mitarbeit von Günther Bauernfeind fand in Form einer modernen "Groteske mit viel Musik" sehr großen Zuspruch. In deutlich weiter entwickelter Form wird es 2014 vom Regieteam Thomas Stammberger und Gabrielle Odinis neu inszeniert.



Detaillierte Informationen zur Geschichte der Doktor-Eisenbarth-Spiele in Viechtach – Ein historischer Abriss von Walter Liebl: Hier zum Download

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